Die eigentümliche Arbeit eines Übersetzers

Die eigentümliche Arbeit eines Übersetzers

Die Arbeit eines (freien) Übersetzers ist oftmals gekennzeichnet durch den Mangel an Regelmäßigkeit, Wiederholbarkeit und dadurch auch Routine. „Übersetzer“ ist nicht nur eine Berufsbezeichnung, aber vor allem auch eine Herausforderung. Jeder übersetzte Text ist einzigartig. Jeder Text muss individuell, mit viel Achtung und Konzentration bearbeitet werden. Um Übersetzer zu werden, reicht es nicht aus, einfach nur eine Fremdsprache zu kennen. Ein Übersetzer für die polnische und deutsche Sprache muss nicht nur beide Sprachen perfekt beherrschen, aber auch über ein weitreichendes Wissen über die Kultur beider Länder sowie die Eigentümlichkeiten beider Sprachen verfügen. Er muss sowohl die sprachlichen und kulturellen Unterschiede beachten als auch rein technische Aspekte, wie sprachspezifische Interpunktion, phraseologische Nuancen oder den speziellen Charakter der Amtssprache bedenken.

Beginnen wir damit, dass nicht jeder Übersetzer für alles zuständig ist. Die Tatsache, dass ein Übersetzer sich auf zwei bis drei Sprachen spezialisiert, ist selbstverständlich, aber hinter dem Begriff des Übersetzens bzw. des Übersetzungsvorgangs verstecken sich noch zahlreiche andere Facetten.

Als aller erstes muss das Übersetzen auf seine beiden wichtigsten Arten unterteilt werden: Das schriftliche Übersetzen und das mündliche Übersetzen, besser bekannt als Dolmetschen. Der Oberbegriff für beides heißt Translation. Im Folgenden werde ich beide Arten etwas genauer durchleuchten.

Die wichtigsten Übersetzungsarten

Unter Übersetzen versteht man die schriftliche Übertragung der Bedeutung eines schriftlich fixierten Textes aus der Ausgangssprache in die Zielsprache, also zum Beispiel die Übersetzung eines Textes aus dem Polnischen ins Deutsche.

Unter Dolmetschen versteht man die mündliche Übertragung der Bedeutung eines gesprochenen Textes aus der Ausgangssprache in die Zielsprache, was meistens in Echtzeit erfolgt. In diesem Fall muss sich der Dolmetscher nicht nur durch hervorragende Sprachkenntnisse auszeichnen, sondern auch eine hohe Resistenz gegenüber Stress, schnelle Denk-Geschwindigkeit und eine ausgeprägte Fähigkeit zum Multitasking vorweisen. Beim Dolmetschen können kleine Fehler vorkommen und das Translat, also das Produkt des Dolmetschvorgangs, wird nicht immer identisch mit dem Ausgangstext sein. Jedoch im Falle vom Dolmetschen ist das Ermöglichen einer wirksamen und zielführenden Kommunikation am wichtigsten. Gewiss ist die Exaktheit der Verdolmetschung abhängig von dem Rang der Gesprächssituation: Die Verantwortung, welche ein Dolmetscher bei einem politischen Gipfeltreffen trägt, ist viel größer als bei einem Elterngespräch in der Schule. Des Weiteren muss der Dolmetscher auf sein Auftreten achten sowie eine entsprechende Souveränität mit sich bringen. Diesbezüglich ist der Druck, welcher bei offiziellen Diskussionen hochrangiger Politiker auf dem Dolmetscher lastet, viel größer als im kommunalen Bereich oder bei privaten Angelegenheiten. Deswegen werden für Gespräche unter Politikern oder im Gericht meistens nur beeidigte Dolmetscher zugelassen, wohingegen im kommunalen Bereich, also in öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen, Ämtern oder Krankenhäusern, größtenteils nicht beeidigte Dolmetscher hinzugeholt werden, die jedoch eine ähnliche Ausbildung bzw. Qualifikation vorweisen können. Nichtdestotrotz trägt der Dolmetscher in allen Situationen die Verantwortung für eine gelungene Kommunikation und korrekte Textübertragung und sollte immer professionell auftreten.

Dolmetschen kann noch in mehrere Untergruppen aufgeteilt werden, von denen ich die beiden häufigsten kurz vorstellen möchte. Das konsekutive Dolmetschen und das simultane Dolmetschen.

Von den meisten Menschen wird Simultandolmetschen fälschlicherweise als die grundsätzliche Form von Dolmetschen verstanden. Hierbei übersetzt der Dolmetscher zeitgleich mit dem Sprecher, also dem Sender des Ausgangstextes. Die häufigste Situation, in welcher so gedolmetscht wird, ist bei großen Konferenzen oder z.B. im Europa-Parlament. Dort steht bei den Tagungen im Idealfall für jede Sprachkombination ein Dolmetscher zur Verfügung. Dieser sitzt in einer Kabine oberhalb des Saals, und hört über Kopfhörer alles, was von der ihm zugewiesenen Person bzw. in der ihm zugewiesenen Sprache gesagt wird und übersetzt das sofort in seine jeweilige Zielsprache. Über ein Mikrofon wird der so verdolmetschte Text quasi simultan an die Kopfhörer des entsprechenden, zielsprachlichen Abgeordneten weitergeleitet. Dies stellt für die meisten Dolmetscher die höchste und schwierigste Form des Dolmetschens dar. Es erfordert vom Dolmetscher kognitive Höchstleistungen und kostet sehr viel Energie. Meistens befinden sich in der Kabine zwei Dolmetscher, die sich spätestens nach 30 Minuten abwechseln.

Beim Konsekutivdolmetschen spricht der Redner zunächst unverdolmetscht und frei. Der Dolmetscher macht sich währenddessen Notizen. Nach ca. 5 bis 15 Minuten muss der Dolmetscher die Rede in der Zielsprache halten. Von Konsekutivdolmetschen spricht man auch, wenn der Redner bereits nach kurzen Redeabschnitten Pausen einlegt, um dem Dolmetscher Raum und Zeit für die Übersetzung zu geben. Ausschlaggebend hierbei ist, das nicht gleichzeitig gedolmetscht wird. Diese Dolmetschform ist zeitaufwendiger und erfordert vom Dolmetscher eine meisterhafte Beherrschung der Notizentechnik. Ohne die Notizen ist es nahezu unmöglich sich sofort einen 15-minütigen Redefluss zu merken und diesen auch entsprechend wiederzugeben.

Man sollte noch die Hybride Übersetzungsform des „aus dem Stegreif“ bzw. „vom-Blatt-Übersetzens“ erwähnen. Dies ist eine Mischform aus Übersetzen und Dolmetschen. Einerseits bekommt der Übersetzer einen schriftlich fixierten Text vorgelegt, andererseits muss er diesen simultan gesprochen in der Zielsprache wiedergeben. Er liest quasi laut, kodiert dabei jedoch sofort in die Zielsprache um.

Beglaubigte Übersetzungen

Bei einer beglaubigten bzw. bestätigten Übersetzung handelt es sich vor allem um die Übersetzung eines Textes, welchen wir in verschiedenen Ämtern, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen vorlegen müssen. Eine beglaubigte Übersetzung kann nur von einem entsprechend dafür qualifizierten Übersetzer angefertigt werden – also von einem beeidigten Übersetzer. Ein beeidigter Übersetzer wird vom zuständigen Landesgericht nach Vorlage des entsprechenden Qualifikationsnachweises öffentlich bestellt und allgemein beeidigt. Ihm wird sein individuelles Stempelmuster zugewiesen und er ist dazu berechtigt Übersetzungen mit dem Beglaubigungssiegel zu versehen. Das entsprechende, übersetzte Dokument hat somit eine amtliche Gültigkeit im Staat, wo die Beeidigung erfolgt ist. Des Weiteren müssen beeidigte Übersetzungen in die vom jeweiligen Amt akzeptierte Form gebracht werden und immer unzertrennlich mit dem Original oder einer beglaubigten Kopie des Ausgangstextes verbunden sein.

Man muss bedenken, dass nicht jede Übersetzung beglaubigt werden muss. Deswegen sollte man vor der Einreichung eines Textes in einem Übersetzungsbüro sicher gehen, welche Art der Übersetzung verlangt wird.

Nicht beglaubigte Übersetzungen werden hauptsächlich von informellen Texten, allgemeinen Texten und in der alltäglichen Kommunikation verwendeten Texten angefertigt. Hierbei wird kein Stempel oder die Unterschrift des Übersetzers benötigt.

Wie finde ich einen beeidigten Übersetzer?

Abgesehen vom herkömmlichen „Googeln“ nach Übersetzern der gewünschten Sprachkombination, können wir unterschiedliche Webseiten benutzen, welche sich in der Herstellung des Kontakts zwischen dem Kunden und dem Übersetzer spezialisieren. Auf solchen Webseiten kann man auf die gewünschten Kriterien der Übersetzung genauer eingehen. Hier ein Beispiel für so eine Webseite:

https://uebersetzer.jetzt/profil/cyprian-zajt/

Wenn wir sicher gehen wollen, dass wir einen Professionellen Übersetzer finden und wir unsere Suche auf eine Bestimmte Region oder sogar Stadt beschränken wollen, dann können wir die sehr praktische Übersetzer-Suchmaschine auf der Seite des Bundesverbands für Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) benutzen. Dort finden wir den passenden Übersetzer oder die passende Übersetzerin für die gewünschte Sprache und wir können auch einstellen, ob wir einen einfachen Übersetzer, einen beeidigten Übersetzer oder einen Dolmetscher brauchen. Die Seite kann man auf Deutsch, Englisch oder Französisch aufrufen. Hier der Link zu der Webseite:

https://suche.bdue.de/

Fachtexte vs. Literaturübersetzung

Die Kategorisierung von Texten hinsichtlich ihrer Funktion ist eine weitere wichtige Übersetzungsklassifikation. Wir können hierbei Fachtextübersetzungen, wie z.B.: von medizinischen, juristischen, technischen usw. Texten hervorheben. Im Fall von Fachtextübersetzungen muss der Übersetzer über ein weiträumiges Fachwissen im jeweiligen Bereich verfügen und eine reiche Lexik beherrschen. Deswegen spezialisieren sich viele Übersetzer ausschließlich oder hauptsächlich auf ein ihnen gut bekannten Fachbereich.

Man darf keineswegs literarische Übersetzungen außer Acht lassen, also die Übersetzung von Belletristik. Hierbei muss der Autor der Übersetzung nicht nur hervorragende Sprachkenntnisse vorweisen, sondern sich auch durch ein künstlerisches Gespür, Kreativität und eine leichte Feder auszeichnen.